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Anziehungskraft des Macho Man ungebrochen

Erstellt von Andreas Brandl am 15. August 2009

Es ist wirklich unglaublich: Ich weiß nicht die wie vielte Vorstellung des „Macho Man“ mit Rene Weller und Peter Althof nun beim Filmfestival in Nürnberg läuft (Anmerkung: Es war die 25. Vorstellung). Aber die Anziehungskraft scheint sogar noch zu wachsen! Die Schlange vor der Katharinenruine des Katharinenklosters in Nürnberg konnte einem schon Angst machen!

Doch wir haben es geschafft und sind dabei! Einzig die Bierauswahl gibt zur Kritik Anlass! Wir freuen uns auf „Action-Nürnberg„!

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Nicht nur für Nürnberger ein Muss: Macho Man

Erstellt von Andreas Brandl am 15. August 2007

Ein Traum in Eiche hell“ würde man mancherorts sagen! Aber es geht hier nicht um Wrestling, sondern um den wahrscheinlich einzigen Actionfilm der Welt, der in Nürnberg gedreht wurde – und jedes Jahr beim SommerNachtFilmFestival (01. – 25.08.2012) vor ausverkauftem Haus zu Jubelstürmen Anlass gibt!

Macho Man – Harte Männer tändeln nicht

von links Bea Fiedler, Rene Weller, Peter Althof, Jacqueline ElberEine kurze Einleitung des Super Films, der auch den Beititel „Harte Fäuste“ trägt: Zu Beginn werden dem Zuschauer bereits im Vorspann (hier) die Schlusseinstellungen (siehe Bild von links Bea Fiedler, Rene Weller, Peter Althof, Jacqueline Elber) kredenzt, ehe man René Weller als „Boxweltmeister Dany Wagner“ durch den Boxring hopsen sieht, welcher in einer schlechtbesuchten Nürnberger Disko steht. „Boxen“ will man das nicht nennen, denn in bester Rocky-Manier (die Deckung auf Hüfthöhe) tänzelt er seinen Gegner überlegen aus und siegt durch K.O. – der Besiegte: „halb fiel er, halb zog es ihn hin“! Auf dem nach Hause Weg wird unser Held dann Zeuge eines Überfalls: Drei Gangster versuchen die schöne Sandra Petersen (Playmate Bea Fiedler) durch den Stich mit einer Drogen-Spritze abhängig zu machen. Natürlich erledigt er alle drei Bösewichte, fährt das verängstigte Blondchen nach Hause und sagt beim Einsteigen: „…das ist doch irgendwo in Mögeldorf?“ der erste große Applaus brandet durch den K4-Kulturgarten. Während der Autofahrt erzählt das Busenwunder dem „schönen René“, dass der gesamte Drogenring hinter ihr her wäre, da sie ihre Freundin zum Entzug brachte – die Zuschauer rätseln derweil, „wo die grad langfahren“ und ob man durch die Scheiben was erkennen kann, was man kennt. Dann geht es Schlag auf Schlag: die beiden küssen sich und vereinbaren sogleich ein Date, wie weggeblasen die Angst vor den Schergen.

Als nächstes der Auftritt von „Deutschlands Bodyguard Nr. 1“ Peter Althof, der den Karate-Lehrer Andreas spielt, obwohl auf fast jedem Kampf-Anzug und jedem Plakat „Taekwondo“ steht! Während er ein paar verbissene Kampfeinlagen in seiner „Karate-Schule“ zum besten gibt, ruft die überschminkte Lisa (Jacqueline Elber) aus einer überragend kitschigen Düsseldorfer Wohnung (Marmor-Telefon vor Wandteppich) bei seinem Co-Trainer Markus (Michael Messing) an und bittet um „Privatstunden“. Dafür ist aber „Andreas zuständig„…

Nun kommt es aber zu Aufeinandertreffen unserer zwei Helden in der wohl atemraubendsten Szene des ganzen Films: Zufällig befinden sich beide in der Zweigstelle „Raiffeisenbank Knoblauchsland“ in Nürnberg Buch, auf die alsdann ein Banküberfall verübt wird (hier auf youtube). Beide Kämpfer scharren schon mit den Füssen, während der Kassierer das Geld einpackt, ehe sie sich (ja noch fremd) durch ein Kopfnicken auf einen Angriff einigen, welchen unser Karate-Tiger schlitzohrig durch das Fallen lassen seiner Tasche einleitet. Selbst der im Fluchtauto verbliebene Komplize bekommt sein Fett weg: Der im Wagen wartende Markus versperrt ihm mit dem Fahrzeug den Weg, wobei sogar ein Kotflügel zerstört wurde. Nun folgt der (ebenfalls) lächerlich wirkende Auftritt der Nürnberger Polizei, die mit zwei Opel Ascona, aber ohne Blaulicht angerast kommen und die in Schalterhalle und Vorgarten gestellten Räuber übernehmen. Riesig hier der Sprung des Wachtmeisters über den Zaun! Bei unseren beiden Helden bedankt sich der Direktor persönlich und notiert deren Namen, damit „man sich erkenntlich zeigen“ könne – trotzdem weiß Andreas später nicht, dass er zusammen mit dem Boxweltmeister diesen Raubzug vereitelte…

–Schnitt–

Ich könnte wohl ewig weiterschreiben und den gesamten Film hier breittreten! Aber ich will den interessierten Film-Junkies nichts vorwegnehmen. Nur soviel muss noch gesagt werden: Was noch folgt ist, dass Andreas durch einen Sportunfall zu seinem Doktor (Horst Schreiner) gebracht wird, der bei akuten Wirbelsäulenverletzungen ebenso Rat weiß wie bei einer „Mittelohrentzündung“ und zufällig auch Ringarzt beim Boxkampf von Dany ist – und Andreas bittet, mit seiner neuen Arzthelferin Sandra den Kampf zu besuchen… So klein ist die Welt, was? 😀

Dann landet Lisa auf Düsseldorf wie angekündigt am Nürnberger Flughafen, natürlich mit der eigenen Cessna, was Regisseur Alexander Titus Benda eine gefühlte 5minütige Sequenz wert ist. Abgeholt wird sie von Markus, der ihr auf dem Weg ins Hotel die „Postkartenidylle“ Nürnbergs zeigt und sogar AUF der Burg rumfährt. Aha, der Tourismusverband Franken hat sich also an den Kosten des Films beteiligt. Lisa verfällt sofort dem Anblick von Andreas, der nach seinem Wirbelsäulenschaden sich sofort wieder mit Schülern „prügelt“, und verknallt sich in ihn. Sandra ist inzwischen das Date mit Dany angegangen, die vier treffen sich zufällig in einer Nürnberger Disko (noch kleiner als die mit dem Boxring, dafür aber mit einer Breakdance-Einlage vom damals noch nicht so bekannten Captain Hollywood), wo sich die beiden Macho-Männer wie zwei Strassenköter anknurren und einen Kampf „Boxen gegen Karate“ ausmachen. Dieser Kampf wird aber dann später unterbrochen, weil man „etwas gegen die Drogenmafia unternehmen muss„, woraufhin der Boxweltmeister und der Karate-Lehrer zusammen mit Karate-Schülern die „Dealer“ in einer „Bumskneipe“ überfallen: „Da hilft nur eins, wir müssen sie zusammenschlagen!

Im Gegenzug entführen die Mafiosi die beiden Damen Lisa und Sandra, während diese für den etwas überraschend vereinbarten „Urlaub zu viert“ einkaufen, was aber den im Porsche vorfahrenden Helden von mitteilungsfreudigen Kindern sogleich berichtet wird: „Sie, da sind grad zwei Frauen entführt worden„, und das obwohl die Kids erst die zurückgelassenen Einkäufe „aufs Fundbüro bringen“ wollten. Natürlich befreien Weller und Althof die Damen aus den Klauen der Rauschgiftmafia und fahren danach gleich auf den Flughafen, wo dieses grandiose Schlussbild zustande kommt!

Der Film ist so schlecht gemacht, dass er schon wieder sehenswert ist! Am besten aber in der Gruppe oder gleich beim Sommer-Nacht-Film-Festival anschauen, da „johlt“ es sich nämlich besser! 🙂

Herrlich für uns Nürnberger, mal Plätze und Kneipen in einem Film zu sehen, die man kennt (wobei es das „Superfly“ und das „Le Bateau“ nicht mehr gibt), was sonst ja niemals vorkommt, da in diesem Bundesland nur in einer Stadt Filme gedreht werden…

Zeitweise wirkt der Film auch „wie ein Porno ohne Poppen“ (Aussage eines Zuschauers), da Bea Fiedler (Dirndljagd am Kilimandscharo, Eis am Stiel 4, Auf St. Pauli ist die Hölle los, etc.) und Jacqueline Elber (Schulmädchen von der Klasse Sex) dermaßen lüstern ihre Dialoge vortragen, dass z.B. das „Kuck mal an der Badezimmertür, da hängt was, das kannst Du Dir überziehen, Baby“ eines Peter Althof um so hölzener klingt. Nicht umsonst durften die beiden Damen auch beim berühmten „Sunshine Reggae auf Ibiza“ mitspielen!!

Zum Schluss möchte ich noch auf „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde!: Die Banalität des Blöden“ hinweisen, wo die beiden Autoren „Aussenseiter“ und „Funkhundd“ neben Bildern aus dem Film, auch diesen herrlich treffend zerpflücken:

…Dass René Weller 1999 wegen Kokainhandels, Hehlerei, Anstiftung zur Urkundenfälschung und unerlaubten Waffenbesitzes zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde, zeigt dann noch die Diametralität von Fiktion und Wirklichkeit…

MACHO MAN, NÜRNBERG 1984, 85 Min., Regie & Drehbuch: Alexander Titus Benda, Kamera: Adi Gürtner, Klaus Werner, Musik: Michael Landau

Youtube: Dancing-Scene hier und Anfangs-Schlägerei hier

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