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Computerspiele beim Tessin-Prozess

Erstellt von Andreas Brandl am Donnerstag 12. Juli 2007

In Schwerin wurde heute der Prozess um den Doppelmord an einem Ehepaar im mecklenburgischen Tessin fortgesetzt. Zwei 17-jährige Gymnasiasten sind wegen zweifachen Mordes, Geiselnahme und Raubs mit Todesfolge angeklagt.

Am 13. Januar waren die Schüler in ein Haus eingedrungen und haben den 46 Jahre alten Mann und seine 41-jährige Ehefrau mit zahlreichen Messerstichen getötet. Danach nahmen sie eine 15-jährige Mitschülerin als Geisel und flüchteten mit ihr im Auto der getöteten Eheleute. Die „Bluttat von Tessin“ sorgte wegen ihrer Grausamkeit bundesweit für Aufregung, die beiden Angeklagten haben die Taten weitgehend gestanden. Den Angeklagten droht eine Höchststrafe von zehn Jahren.

Heute morgen stellte der Verteidiger von Felix überraschend einen neuen Beweisantrag, ob nicht doch Computerspiele dafür verantwortlich sind, dass er für diese Tat motiviert wurde. Seine Eltern hatten wiederholt gegenüber Medien berichtet, dass er auffällig lange vor dem PC saß und spielte. Nun könnte der Prozess wieder in die Beweisaufnahme gehen.

Ich frage mich…

…was hat das damit zu tun? Wenn ich mit meinem Auto einen Ferrari ramme und dann zum Richter sage, dass ich gerne „Ein Colt für alle Fälle“ gesehen habe, und danach auch noch „Car Wars“ – sagt er dann: OK, kein Thema!? Was hat das damit zu tun, dass die Jungs krank sind?

Jugendliche machen Blödsinn! Und wenn jeder von uns zurück denkt, was alles hätte schief gehen können bei den eigenen Schandtaten, muss man sagen, hatten wir Glück! Aber was da geschehen ist, ist höchstgradig kriminell und kein Unglücksfall. Das kann nicht sein, dass daran jetzt Computerspiele schuld sind und die Jungs dadurch anders behandelt werden als andere Mörder!

 
 

5 Kommentare zu “Computerspiele beim Tessin-Prozess”

  1. Farlion sagt:

    Der Job des Anwalts ist es, das Beste für seine Mandanten herauszuholen. In diesem Fall haben diverse Politiker dem Anwalt ein nützliches Werkzeug in die Hand gegeben, das dieser jetzt konsequenterweise für sich zu nutzen versucht.
    Kommt er damit durch, hat der den verbotswütigen Politikern einen großen Dienst erwiesen. Den Politikern wird es in dem Moment egal sein, dass zwei junge Schwerstkriminelle mildernde Umstände bekommen.
    Im Prinzip wäre das eine posthume Ohrfeige für die Opfer.

  2. Conny sagt:

    Totaler Schwachfug. Wie kann man sowas mit Games begründen und vor allem rechtfertigen??? Man ist sich eben für keine Ausrede zu schade. Ich hab auch Shira und He-Man gesehen und? Hab ich deswegen einen Tiger befreit und hab versucht auf ihm zu reiten?

  3. andy sagt:

    Mir geht es dabei auch nicht um den Anwalt (der macht nur seinen Job, schon klar) sondern um unsere Gesellschaft! Für nichts die Verantwortung übernehmen, an allem sind die anderen Schuld! Wenn mein Kind schlecht erzogen ist, dann wars die Schule oder das Fernsehen oder, oder, oder!

  4. bullion sagt:

    Hundertprozentige Zustimmung. War schon froh, als ich vorgestern oder so im Radio hörte, dass ein Experte ausgeschlossen hätte, dass Spiele oder Filme solch eine Tat hätten auslösen können.

  5. leonope sagt:

    Das mit den Computerspielen wird halt leider immer wieder gerne als Ausrede für unterlassene „Erziehung“, für unterlassene „Aufmerksamkeit“ und für ignorantes Verhalten der Eltern hergenommen. Ist ja die billigtse Ausrede. Zuerst zeugen wir Kinder, dann nerven sie und werden zur „Beruhigung“ vor die Konsole oder den PC abgeschoben und wenn diese dann irgendwann durchdrehen schieben wir es auf die ach so gefährlichen Spiele. Die in der Regel vom Geld dieser Eltern gekauft wurden.

    Na ja, was solls. Die Medien lieben solche Themen, die Anwälte nutzen wie Farlion schon richtig sagte, die Lücken im Gesetz und verdienen sich eine goldene Nase damit, dass sie diese auch noch als arme und „unterbetreute“ Opfer darstellen und sie vielleicht sogar wirklich noch raushauen. Was für eine Welt.

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